Diabetische Netzhauterkrankungen

Die diabetische Netzhauterkrankung ist neben der altersbedingten Makuladegeneration und dem Glaukom in den westlichen Industrieländern noch immer die häufigste Erblindungsursache. Die Erkrankung tritt in zwei Formen auf.

Nichtprolferative diabetische Retinopathie:

Am Beginn steht oft die nichtproliferative diabetische Retinopathie: Durch den erhöhten Blutzuckerspiegel kommt es zur Schädigung der Blutgefäßwände. Dieses wirkt sich vor allem in den gut durchbluteten Organen wie den Nieren und der Netzhaut des Auges negativ aus. Die Gefäßwände werden dicker auf Kosten der lichten Weite des Blutgefäßes. Zusätzlich können sich Ausstülpungen aus den Blutgefäßwänden bilden („Mikroaneurysmen“). Die Durchlässigkeit der Gefäßwände nimmt zu, es können Blutbestandteile (Fette, Eiweiße etc.) heraussickern und in der Netzhaut ablagern. Diese Ablagerungen werden „Exsudate“ genannt. Es kann auch zu Blutungen kommen oder Blutflüssigkeit allein tritt aus und lagert sich in der Netzhaut ein, es entstehen „Ödeme“. All dies kann die Sehkraft beeinträchtigen, es kann aber auch vom Patienten völlig unbemerkt stattfinden. Es ist deshalb von größter Wichtigkeit, dass alle Diabetiker regelmäßig (d.h. mindestens 1 x pro Jahr, wenn Schäden bestehen häufiger) vom Augenarzt untersucht werden. Das Risiko für das Auftreten einer Retinopathie nimmt mit der Höhe des Langzeit-Blutzuckerwertes (HbA1c) zu. Am geringsten ist es bei einem Wert unter 7% oder 53 mmol/mol.

Proliferative diabetische Retinopathie:

Die zweite Verlaufsform ist die proliferative diabetische Retinopathie. Hier kommt es durch Gefäßschäden zu einer Minderdurchblutung zu einem Sauerstoffmangel der Netzhaut. Dieser führt zu einer durch Gefäßwachstumsfaktoren vermittelten Wucherung von Blutgefäßen in der Netzhaut. Die neuen Blutgefäße führen aber nicht zu einer Verbesserung der Situation, Im Gegenteil können die neuen Blutgefäße leicht platzen, es kommt dann zu einer Blutung in den Augapfel, verbunden mit einem drastischen Sehverlust oder die Gefäße wachsen in den Glaskörper hinein, was zu einer Netzhautablösung führen kann.

Untersuchungsmethoden:

Zur Untersuchung ist neben der Spiegelung des Augenhintergrundes bei erweiterter Pupille oft eine Kontrastdarstellung der Netzhautgefäße (Fluoreszeinangiographie oder FAG, unten Leeraufnahme (1), Frühphase (2), arterio-venöse Phase (3) und Spätphase (4)). Mit dem OCT ist eine Schwellung der Netzhaut (Ödem) auch ohne Kontrastmittelgabe möglich. Neben der Optimierung der Blutzuckereinstellung und ggf. der Behandlung eines Bluthochdruckes (oft ein zusätzlicher Faktor, der den Schaden erhöht) ist die übliche Behandlung die Laserkoagulation. Wenn eine massive Blutung besteht oder sich die Netzhaut ablöst ist ein chirurgisches Vorgehen notwendig.

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